Alles Lügenpresse?

Postfaktisch: Wenn Emotionen wichtiger als die Wahrheit sind (Bild: Esther Stosch  / pixelio.de)
Postfaktisch: Wenn Emotionen wichtiger als die Wahrheit sind (Bild: Esther Stosch / pixelio.de)

Lügenpresse scheint der angemessene Begriff für die Mainstream-Medien zu sein. Denn sie seien entscheidend für die Fake-News verantwortlich. Hinter denen stecken ja sowieso immer bewusste Lügen. So sehen es zumindest einige Bürger. Allen voran Wähler von Pegida und AfD. Doch lässt sich unser Medienproblem wirklich so einfach erklären? Und was steckt eigentlich hinter dem Begriff?

Lügenpresse: Geprägt von der NS-Zeit

Das Wort ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt. Anfangs wurde es nur selten von konservativen Katholiken für die entstandene liberale Presse verwendet. Durch den ersten Weltkrieg erlangte es traurige Berühmtheit: Dort wurde es gezielt zur Herabsetzung der Gegner genutzt. Etwa als Kommunist oder Juden. Nach dem Motto: Medien, die nicht unsere Ansicht vertreten, lügen. Organisationen der Arbeiterbewegung nannten später auch die gleichgeschalteten NS-Medien selbst so.

Nach dem zweiten Weltkrieg nahm die Verbreitung des Begriffes ab. Lediglich die DDR setzte es gelegentlich ein, um die westdeutsche Presse damit negativ darzustellen. Erst nach der Jahrtausendwende wurde es wieder zunehmend verwendet. Wie schon zu NS-Zeiten hauptsächlich von ausländerfeindlichen Menschen. Bekannt wurde es seit 2014 durch Demonstrationen von Pegida und AfD. Hier kam es auch zu Handgreiflichkeiten gegen Journalisten.

Haben wir eine Lügenpresse?

Diese Frage lässt sich mit einem klaren Nein beantworten. Das Wort selbst ist keine Kritik an den Medien. Sondern ein Kampfbegriff. Er soll den Ruf des Gegners schädigen. Ähnlich wie das Wort Verschwörungstheoretiker. Mit Kritik an der Presse hat das wenig zutun. Viele die ihn nutzen, scheinen das nicht zu wissen. Denn sie wollen scheinbar die Presse damit kritisieren. Sie hierfür als Lügenpresse zu bezeichnen, ist daher absurd.

Zumal damit die gesamte Presse pauschal der Lüge bezichtigt wird. Das ist nicht haltbar. Selbst mit kritischem Blick auf die Medien. Denn es gibt sehr wohl seriöse Quellen, die um eine sachliche und wahre Berichterstattung bemüht sind. Wie in fast allen Bereichen gibt es hier kein schwarz/weiß. Nach dieser Logik sind auch alle Polen Diebe. Oder dunkelhäutige Menschen Drogendealer. Man merkt, wohin das führt.

Sind unsere Medien also alle objektiv und ehrlich?

Das wäre eine schöne Vorstellung. Leider ist sie ebenfalls nicht wahr. Viele Medien versuchen zumindest, den Leser in eine bestimmte Richtung zu lenken. Hierbei muss nicht zwingend gelogen werden. Der Leser nimmt die Botschaft dadurch aber eher positiv oder negativ wahr. Je nachdem, wie der Text verfasst wurde. Auch das beeinflusst die Meinung.

Aber auch klassische Lügen gibt es. Darunter zählt das bewusste Erfinden/Verändern von Informationen. Oder einfach Teile davon wegzulassen bzw. aus dem Kontext zu reißen. Dies ändert nicht nur die Wahrnehmung der Botschaft. Sie kann dadurch im Extremfall um 180 Grad gedreht werden. Den Medien blind zu vertrauen, ist daher ebenfalls gefährlich.