Echte Menschen

Nicht nur Bots und Werbeagenturen verbreiten gefälschte Nachrichten. Viele Bürger tragen selbst dazu bei. Die News werden fleißig geliked, oder sogar geteilt und kommentiert. Oft reicht den Betroffenen der Titel oder das Vorschaubild. Manche öffnen zwar noch den Artikel auf der Zielseite. Prüfen aber weder die Fakten noch Quelle auf Wahrheitsgehalt. Vor allem in den sozialen Netzwerken ist dies verbreitet.

Häufig gibt es gar keine Quelle. Recherchen zeigen, dass die Spur der Nachricht gar nicht ermittelbar ist. Oder sie endet bei einer kleinen Zeitung, die für solche Meldungen bekannt ist. Manchmal basieren aktuelle News auch auf sehr alten Meldungen. Jemand greift sie auf, und andere übernehmen die Inhalte. Meist unzureichend oder gar nicht geprüft. Die Folge: Es entsteht ein Domino-Effekt.

Gezielte Manipulation

Doch teils werden wir bewusst dazu animiert: Reißerische Clickbait-Überschriften laden zum Klicken auf eine Seite ein. Auf dieser sind meist eher weniger seriöse, gut recherchierte Inhalte zu finden. In sozialen Netzwerken weichen die Vorschau-Texte und Bilder manchmal stark vom Inhalt der News ab. Sie werden bewusst zweideutig gewählt, um zu polarisieren. Der Leser soll den Inhalt am besten gar nicht erst lesen, sondern direkt liken und teilen. Das erhöht die Reichweite, ohne Kosten für Werbung zu verursachen.

Man spielt hierbei mit den Gedanken und Emotionen der Menschen. Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten, heißt es im Volksmunde. Und es stimmt: News über einen Flüchtling, der wehrlose Frauen vergewaltigt, erreichen hunderttausende Nutzer. In wenigen Stunden. Ein Asylant, der einer Frau die verlorene Brieftasche zurück bringt, dagegen meist nicht ansatzweise. Das ist schließlich nichts besonderes. Aber ein Gast, der unsere Frauen missbraucht? Ein Skandal! Darüber kann man sich aufregen.

Wir lesen, was wir lesen wollen

Zusammenfassend könnte man sagen: Das Angebot ist eine Reaktion auf die Nachfrage. Man gibt uns die Nachrichten, welche wir lesen wollen. Denn tendenziell wollen viele ihre Meinung bestätigt haben. Zumindest insgeheim. Ein Artikel über Vergewaltigungen kommt da natürlich gerade recht, wenn man diesen Menschen skeptisch gegenübersteht. Der Hilfsbereite Flüchtling passt dagegen nicht ins Meinungsbild.