Menschliche Fake-Accounts

Neben Social Bots gibt es nach wie vor etliche menschliche Fake-Accounts. Hier steckt also eine echte Person dahinter. Aber sie verschleiert ihre Identität. Ähnlich wie bei Bots gibt es auch hier verschiedene Gründe. Manche mit mehr, andere mit weniger guten Absichten.

Pseudonyme

In vielen Chats und Communitys kann man Pseudonyme nutzen. Man erstellt sich dort also kein Profil mit dem echten Namen. Sondern es wird ein Fantasiename (z.B. Mercedesfan, Girl88, Pizzabäcker, …) genutzt. Damit lässt sich die Person nicht identifizieren. Man erhält wenn überhaupt nur wenige Infos wie (wahrscheinlicher) Vorname/Alter. Dies schützt den Inhaber des Kontos vor Schikane und Verfolgung.

Vor allem, wenn es um kontroverse oder intime Themen geht. Denn das Internet vergisst bekanntlich nichts. Beispiel: Man stellt sexuelle Fragen und outet sich dabei als Quer. Der Chef sucht im Internet nach dem eigenen Namen. Das kann Probleme geben, wenn er das Thema konservativ sieht. Als Konsequenz wird die betroffene Person vielleicht gemobbt. Mit einem Pseudonym kann dies verhindert werden. Teils ist die Person schon mit einem bekannten Konto aktiv. In diesem Fall werden häufig Zweitaccounts angelegt.

Missbrauch von Pseudonymen: Sockenpuppen für Astroturfing

Trotz aller Vorteile kann dieser Schutz der Anonymität auch missbraucht werden. Beispielsweise durch PR-Argenturen. Oder auch Einzelpersonen. Die Ziele sind immer gleich: Beeinflussung der Öffentlichkeit zu den eigenen Gunsten. Sockenpuppen sind Zweit- oder Drittaccounts. Sie sollen es so aussehen lassen, als würden mehrere Personen die Gleiche oder eine ähnliche Meinung vertreten. Sockenpuppen werden häufig für versteckte PR (Astroturfing) eingesetzt.

Bei der Kommunikationsguerilla versucht man, bekannte Personen/Firmen mit Fake-Konten zu imitieren. Durch die Bekanntheit erreicht man dabei viele Menschen. Wird meist eher für Scherze wie Parodien genutzt. Die Beeinflussung der Öffentlichkeit ist seltener ein Motiv. Viele soziale Netzwerke haben dies heutzutage durch Verifikationssysteme erschwert.

Internet-Trolle

Trolle sind echte Personen, die eine Kommunikation stören wollen. Beispielsweise durch Provokationen, Beleidigungen oder Spam. Auch sinnfreie Fragen kommen zum Einsatz. Es ist jede Art von Störung denkbar. Das erschwert die Diskussion. Meistens nutzen sie Pseudonyme, um unerkannt zu bleiben. Manche trollen auch unter ihrem echten Namen, zum Beispiel in sozialen Netzwerken. Trolle sind lästig, aber meist keine ernsthafte Gefahr.

Troll-Armee

Wenn mehrere Trolle zu einer bestimmten Aktion koordiniert werden, spricht man von einer Troll-Armee. Es gibt Aktionen von Interessengruppen und vernetzten Einzelpersonen. Beispielsweise könnte Partei X in ihrer Facebook-Gruppe dazu aufrufen, bestimmte Kommentare auf die Pinnwand von Partei Y zu schreiben. Dies ist in der Regel nur ein Aufruf, ohne Gegenwert.

Es gibt zudem Interessengruppen, die Trolle bezahlen und/oder sogar anstellen. Dazu gehört beispielsweise die chinesische 50-Cent Army. Sie verbreitet positive Propaganda im Sinne der kommunistischen Partei. Aber auch Demokratien wenden solche fragwürdigen Methoden an: Der britische Geheimdienste GCHQ nutzt Troll-Armeen u.a. für soziale Rufmordkampagnen mit Fake-Accounts. Ähnliches ist von den US-Amerikanischen Geheimdiensten bekannt. Durch den Einsatz echter Menschen wird die Aktion sehr authentisch.