Mainstream vs. Alternative Medien

Die etablierten Mainstream-Medien werden nicht nur von Pegida und AfD kritisch betrachtet. Das Vertrauen in die Medien ist in der gesamten Bevölkerung gering. Und das nicht nur in Deutschland. Manche sehen die Lösung in den sogenannten Alternativen Medien. Sie werben mit neutraler, unabhängiger Berichterstattung. Sollten wir also von den Mainstream-Medien abwenden?

Der Mainstream ist nicht immer neutral

Diese Erkenntnis dürfte für viele nicht überraschend sein. Von großen Medien wie Spiegel, TAZ und Konsorten erwarten wir Professionalität und Qualität. Einige bezahlen schließlich sogar dafür. Dieser Anspruch wird leider nicht immer erfüllt. Die Spanne reicht dabei von beschönigenden über fehlende Informationen bis hin zu konkreten Lügen bzw. Propaganda. Alternative Medien weisen gerne auf diese Probleme hin. Im folgenden wollen wir uns zwei solcher Fälle anschauen.

Spiegel: Die Deutschen müssen das Töten lernen

So lautete die Schlagzeile der Ausgabe 47/2006. Das war Kriegspropaganda vom schärfsten. Zwar war der seit 2001 geführte Krieg in Afghanistan einer der wenigen legalen. Dennoch ist es ein Krieg mit zehntausenden Toten. Und ein umstrittener noch dazu. Viele der Gründe und Aussagen zum Krieg haben sich im Nachhinein als falsch herausgestellt. Gerade in Deutschland lautete die Devise nach dem zweiten Weltkrieg: Nie wieder Krieg. Dieser löbliche Vorsatz hat auch einige Jahrzehnte gehalten.

Wurde jedoch bereits 1999 gebrochen. Hier zog Deutschland unter Schröder  in den Krieg gegen Serbien. Dieser Krieg war klar illegal. Es gab nicht mal einen Terroranschlag als Vorwand. Geschweige denn ein UN-Mandat. Stattdessen wurde Astroturfing eingesetzt: Eine PR-Argentur erhielt den Auftrag, Serbien als Aggressor darzustellen. Durch diese Manipulation war Deutschland gewillt, nach über 50 Jahren wieder in den Krieg zu ziehen.

Schröder hat diese Täuschung später immerhin zugegeben. Allerdings erst 15 Jahre später: 2014 gestand er den Völkerrechtsbruch. Für die rund 13.000 Todesopfer des Krieges musste er sich allerdings bis heute nicht verantworten.

Da haben wir unsere Flugzeuge […] nach Serbien geschickt und die haben zusammen mit der NATO einen souveränen Staat gebombt – ohne dass es einen Sicherheitsratsbeschluss gegeben hätte.
Gerhard Schröder

Vater stoppt Rettungsschwimmer und lässt Tochter ertrinken

2015 ging eine Schreckensmeldung durch die Presse: Ein Vater soll in Dubai Rettungsschwimmer daran gehindert haben, seine Tochter zu Retten. Dies hatte mit seinem Glauben zutun. Die Ehre der Tochter sei beschmutzt, wenn ein Mann sie anfasst. Diese Tragödie fand leider tatsächlich statt – Allerdings nicht aktuell, wie es die Medien hinstellten. Der Guardian recherchierte und fand heraus: Der Vorfall ereignete sich 1996 – also vor 19 Jahren!

Wie ist das passiert? 

Die Meldung wurde zuerst im Portal Emirates 24/7 veröffentlicht. Dort verbreitete sie die Nachrichtenagentur AFP weiter – ungeprüft! Das Gleiche haben die Deutschen Medien getan: Zahlreiche verbreiteten die Nachricht, ebenfalls ohne Überprüfung der Fakten. Ein Auszug der betroffenen Portale: Focus Online, Stern.de, News.de, Welt.de, N24.de, Heute.at, Berliner-Kurier.de und viele weitere.

Noch schockierender als dieser Copy-and-Paste-Journalismus ist der Umgang mit der Zeitungsente: News.de, Rtl.de, Heute.at und Welt.de haben bis heute (2017) die alten Artikel unverändert online – Ohne Richtigstellung! Seit dem 11. August 2015 ist bekannt, dass die Nachricht uralt ist. Spätestens seit diesem Datum verbreiten diese Zeitungen also Fake-News. Und schüren damit Ängste.

Focus Online und Web.de haben die Artikel schlicht und einfach gelöscht. Ohne Kommentar oder Richtigstellung. Das ist völlig intransparent und ebenfalls zu verurteilen. Allerdings wird dabei zumindest keine Propaganda mehr verbreitet.

Alternative Medien können als Kontrollinstanz fungieren

Vor allem am letzten Beispiel wird eine wichtige Rolle der Alternativen Medien deutlich. Sie können die etablierten Medien kontrollieren. Das ist wichtig. Vor allem, wenn diese ihre Falschmeldungen nicht mal selbst korrigieren. Bestimmte Stimmen kommen in den klassischen Zeitungen teils auch nicht zu Wort. Dies hat verschiedene Gründe: Das Thema bringt zu wenig Geld, weil sich relativ wenige Menschen dafür interessieren. Oder man fürchtet Konflikte mit Partnern, wenn über sie kritisch berichtet wird.

Hier bereichert uns die Vielfalt des Internets. Jeder kann sein Wissen dort publizieren. Ohne Freigabe durch einen Chefredakteur. Denn der muss abwägen, was er druckt und was nicht relevant genug ist. Alternative Medien bieten so ein weites Spektrum: Manche wie der Bildblog decken das Fehlverhalten anderer Zeitungen auf. Die NachDenkSeiten wollen dagegen beispielsweise generell eine neutrale Berichterstattung bieten. Dazu werden beispielsweise Artikel aus anderen Quellen geprüft, und gute Inhalte empfohlen.

Fazit: Vorsicht ist überall geboten

Dennoch sollte man sich aber nicht blind auf die Alternativen Quellen verlassen. Denn auch hier gibt es schwarze Schafe. Manche hetzen bewusst gegen bestimmte Gruppen, Länder oder Politiker. Andere verbreiten wiederum selbst Lügen und Propaganda. Hier gibt es die gleichen Probleme, wie bei den Mainstream-Medien auch: Geld. Mit angeblichen Enthüllungen und Skandalen über bekannte Medien kann man ebenfalls viele Klicks generieren. Und damit auch Geld.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Alternative Medien sind sinnvoll, um die bewährten zu kontrollieren. Und den Horizont zu erweitern. Bei beiden muss der Leser jedoch kritisch reflektieren. Auch die Alternativen Medien nehmen ihm dies nicht ab. Medienkompetenz ist daher in jedem Falle unabdingbar.