Wikitribune: Wikipedia mit Journalisten gegen Fake News

Wikitribune: Wikipedia mit Journalisten gegen Fake News

Nun mischt auch Wikipedia im sogenannten Kampf gegen Fake News mit: Wikitribune soll den Kampf gegen bewusste Falschmeldungen aufnehmen, kündigte Wikipedia-Gründer Jimmy Wales jüngst an. Die Community soll von professionellen Journalisten unterstützt werden. Neu ist die Finanzierung: Wales setzt bewusst keine Werbung ein, um die Lukrativität falscher Meldungen zu reduzieren.

Community und Journalisten auf gleicher Ebene

Wikitribune setzt auf eine gemischte Redaktion: Freiwillige Community-Mitglieder sollen Hand in Hand zusammen mit professionellen Journalisten arbeiten. Die Journalisten könnten mit ihrer Erfahrung und Medienkompetenz etwa darauf hinweisen, Quellen ausreichend zu prüfen. Darauf legt der Wikipedia-Gründer besonders großen Wert: Er fordert Transparenz in allen Artikeln. Die Aussagen auf der Plattform müssen für den Leser durch Quellen überprüft werden können. Denn gerade Falschmeldungen können häufig lediglich unseriöse, auf sich selbst verweisende oder sogar gar keine Beweise für Ihre Behauptungen vorweisen. Dahinter steckt die klare Absicht, den Lesern Journalismus auf einem hohen Niveau zu bieten.

Finanzierung über Spenden

Darüber hinaus hat Wales die Problematik hinter klassischen Nachrichtenportalen erkannt: Sie finanzieren sich überwiegend mit Werbung, teils auch durch Abonnements der Nutzer. Dies bringt die Betreiber nicht selten in einen Interessenkonflikt. Denn polarisierende Nachrichten locken Nutzer auf die eigene Seite, womit letztendlich Geld verdient wird. Aus kommerzieller Sicht ist es daher lukrativ, es mit der Quellenprüfung nicht zu genau zu nehmen – Oder gar bewusst unwahre Tatsachen zu verbreiten. Zumal dies in der Produktion auch günstiger ist, als Zeit in aufwändige, dafür aber saubere Recherchen zu investieren.

Ein weiteres Problem ist die sogenannte Facebook-Filterblase. Seiten wie Facebook oder Google sammeln massenhaft Informationen über den Nutzer: Interessen, Vorlieben, Ansichten usw. Auf Basis dieser Informationen werden Informationen gefiltert. Er sieht zunehmend Inhalte, die seinen Ansichten entsprechen. Kritische Dinge oder andere Ansichten können auf der Strecke bleiben. Um dies zu verhindern, wird auf Wikitribune keinerlei Werbung zu sehen sein.

Crowdfunding-Kampagnen laufen bereits

Stattdessen finanziert sich das Portal ausschließlich über Spenden. Für den Anfang ist geplant, zehn Journalisten einzustellen. Auch sie sollen mithilfe der Spendengelder bezahlt werden. Für dieses Vorhaben laufen bereits Crowdfunding-Kampagnen. Jeder kann das Projekt unterstützen. Es wird jedoch nur durchgeführt, wenn insgesamt ausreichend Geld für die 10 Journalisten gesammelt wurde. Sollte dies nicht der Fall sein, verspricht Wikitribune, das gespendete Geld zu erstatten – abzüglich der anfallenden Transaktionsgebühren.

Wie viele Spenden bereits gesammelt wurden, verrät Wales nicht. Allerdings scheint bereits die Hälfte der benötigten Summe vorhanden zu sein: Rund 9.600 Unterstützer haben laut wikitribune.com bereits gespendet. Dies soll ausreichen, um 5 der insgesamt 10 Journalisten zu finanzieren. Bis zum 24. Mai 2017 kann noch gespendet werden.

Vorbild Krautreporter

Die Idee hinter dem Projekt ist nicht komplett neu: Bereits 2014 versuchte das Portal Krautreporter.de ein ähnliches Konzept. Es solle transparenter Journalismus in hoher Qualität ohne Werbefinanzierung angeboten werden. Damals spendeten 15.000 Personen insgesamt rund 900.000 Euro im Voraus. Das Projekt konnte daher umgesetzt werden. Allerdings blieb dieser Erfolg nicht von langer Dauer: So kam es zu internen Streitigkeiten. Sie sollen dazu beigetragen haben, dass schon im ersten Jahr 2/3 aller Unterstützer das Projekt verließen. Es bleibt abzuwarten, ob sich ähnliche Probleme in der Hand des Wikipedia-Gründers wiederholen.

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