Experiment: Landratsamt bezahlt Sex für Asylanten

Experiment: Landratsamt bezahlt Sex für Asylanten

Wie verbreiten sich Falschmeldungen und wie schwierig ist das? Um das herauszufinden, starteten Wissenschaftler Ende April 2017 ein Fake-News Experiment in der Praxis: Sie erstellten eine vermeintliche News-Seite namens „Der Volksbeobachter“ und verbreiteten dort frei erfundene Meldungen. Zusätzlich wurde eine dazugehörige Facebook-Seite angelegt. Die vermeintlichen Nachrichten sind bewusst überzogen und provozierend: Am erfolgreichsten war ein Artikel mit dem Titel „Gratis-Sex für Asylanten – Landratsamt zahlt!“. Aber auch „Flüchtling schnappt Deutschem den Job weg“ oder „Name missfällt: Grüne wollen Café ‚Mohrenkopf‘ schließen“ schürten den Hass vieler Menschen auf Einwanderer.

Nutzer sozialer Netzwerke in der Filterblase

Die Wissenschaftler haben sich dafür auch den Effekt der sogenannten Facebook-Filterblase zunutze gemacht: Durch die Personalisierung von sozialen Netzwerken erhalten Nutzer zunehmend Inhalte, die zu ihren bisherigen Interessen passen. Wer Einwanderer ablehnt, sieht beispielsweise zunehmend Berichte über vermeintlich kriminelle Ausländer. Das große Problem: Andere Ansichten, wie sie zur Bildung einer objektiven Meinung unerlässlich sind, werden ausgeblendet. Dadurch sehen sich die Personen in ihrer Weltsicht bestätigt. Das führt zur Filterblase, in der sie mit ihrer eigenen Meinung vom großen Ganzen abgeschottet sind.

In die Blase zu kommen, gestaltete sich nicht schwer: Zunächst wurden vier gefälschte Facebook-Profile angelegt. Diese bauten sich ein Netzwerk in der rechts-alternativen Szene auf. Das Liken von entsprechenden Facebook-Seiten wie von AfD oder Pegida genügte dazu bereits. Im Anschluss posteten die Konten zustimmende Kommentare zu anderen Nutzern. Teils reichte dies schon, um Freundschaftsanfragen zu erhalten.

Das Fake-News Experiment wurden zum Selbstläufer

Innerhalb von vier Tagen verbreitete sich die Nachricht über angeblichen Gratis-Sex für Asylanten alleine über das soziale Netzwerk Facebook an 11.000 Menschen. Über 150 Personen haben die Nachricht darüber hinaus geteilt, sodass sie von ihren Freunden gesehen wird.

Kaum jemand prüfte die Meldungen

Neben klassischen Klischees und bereits bekannten Falschmeldungen wurden sogar offensichtliche Hinweise eingebaut, die den aufmerksamen Leser am Wahrheitsgehalt zweifeln lassen sollten. Der vermeintliche Gratis-Sex für Asylanten auf Staatskosten sollte in der Stadt Bad Eulen angeboten werden. Kaum ein Facebook-Nutzer merkte jedoch, dass diese Stadt überhaupt nicht existiert – Die Nachricht wurde von vielen blind geglaubt.

Facebook-Nutzer scheinen darauf zu vertrauen, dass die personalisierten Meldungen ihrer Freunde und von Dritten geprüft seien. Gerade das ist in sozialen Netzwerken aber nicht der Fall: Jeder kann Inhalte erstellen oder Meldungen mit einem Klick verbreiten.

Medienkompetenz wird wichtiger denn je

Das Experiment hat gezeigt: In Sachen Medienkompetenz besteht noch Nachholbedarf. Nutzer müssen wissen, dass sie Nachrichten nicht blind glauben dürfen – stattdessen ist es notwendig, auf die Quellen zu achten und Meldungen selbst zu überprüfen. Außerdem sollten soziale Netzwerke wie Facebook aufgrund der Filterblase nicht als primäre Informationsquelle genutzt werden. Das Fazit von Prof. Dr. Wolfgang Schweiger fasste in seinem Fazit daher zutreffend zusammen: Er beobachtet den Trend mit Besorgnis und weist auf die Relevanz der Quellen hin. „Umso wichtiger sei es, nicht-personalisierte Nachrichtenangebote zu nutzen, die von Journalisten stammen.“ kommentiert er.

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