Fake-News im Irak-Krieg 2003: Manipulation von Soldaten und Bevölkerung

Fake-News im Irak-Krieg 2003: Manipulation von Soldaten und Bevölkerung

Bush und Blair griffen den Irak im Jahre 2003 an – und nutzten massiv die Medien, um Kriegspropaganda zu verbreiten. Bereits 1990 gelang es den USA durch Medienmanipulation, viele Länder für ihren Krieg zu begeistern. Auch beim dritten Golfkrieg konnte diese Taktik genutzt werden, um die Bevölkerung für einen illegalen Krieg zu begeistern.

Der erste offizielle Präventivkrieg

Schon im Januar 2001 hatte Bushs Regierung Interesse an einem Krieg. Die Neokonservativen forderten sogar bereits am 26.01.1998 den Sturz von Hussein.  Allerdings fehlte ein Grund. Bush nutzte die Terroranschläge vom 11. September 2001, um Präventivkriege einzuführen. Die USA sollen fremde Länder bombardieren dürfen, ohne dass sie zuvor angegriffen wurden. Gemäß internationalem Recht ist dies eindeutig illegal. Da durch 9/11 viele Menschen schockiert und verängstigt waren, hielt sich der Protest in Grenzen. Einige Amerikaner wollten sogar Rache.

Die CIA erschuf Saddam Hussein

1979 wurde Saddam Hussein bei seiner Machtergreifung im Irak durch den US-Auslandsgeheimdienst CIA unterstützt. Dies geschah im Geheimen, da Hussein als rücksichtslos und brutal galt. Der CIA schien dies nicht zu stören – im Gegenteil: Die CIA erstellte für Hussein Todeslisten von politischen Gegnern. Dass die US-Regierung mit Terroristen zusammenarbeitet, hatte Bush damals nicht erwähnt. Bis heute wissen selbst viele Amerikaner nicht darüber bescheid. Und das, obwohl selbst der damalige CIA-Chef in Bagdad, James Critchfield, bestätigte: Man kann sagen, dass die CIA im Grunde genommen „Saddam Hussein erschaffen hat“.

Mit Fake-News in den zweiten Irak-Krieg

9/11 schien für den Verteidigungsminister Donald Rumsfeld der Blankoscheck, um Husseins Regierung stürzen zu können. Noch am Tag der Anschläge diktierte er seinen Mitarbeitern:

Beurteilen Sie, ob [die Daten der Terroranschläge] gut genug [sind], um auch S.H [Saddam Hussein] gleichzeitig zu treffen. Nicht nur OBL [Osama bin Laden]. Gehen Sie massiv rein. Sammeln sie alles. Hinweise, die mit den Anschlägen in Zusammenhang sind, und solche, die es nicht sind.

Vor allem die letzten Worte sollten in die Tat umgesetzt werden. Die Medien verbreiteten insgesamt drei Kriegsgründe, die jedoch alle völlig erlogen waren:

1. Saddam Hussein hat Verbindungen zu den 9/11 Anschlägen

Eine Unterstellung, die hauptsächlich Vizepräsident Dick Cheney mehrfach in den Medien wiederholte. Bis heute gibt es nicht mal Indizien für eine Beteiligung Husseins an den Terrororganisation al-Qaida. Geschweige denn an den Anschlägen vom 11. September 2001.

2. Bio- und Chemiewaffen

Der Irak besitzt chemische und biologische Waffen […] Seine Raketen sind binnen 45 Minuten einsatzbereit

Dieses von Blair stammende Zitat ist ebenfalls völlig aus der Luft gegriffen. Die kurze Zeitspanne von 45 Minuten soll Ängste schüren. Der Bevölkerung wird suggeriert: Wir müssen sofort bombardieren. Wenn wir erst nachdenken, wird der Irak stattdessen uns bombardieren. Einziger Beweis dafür ist ein kleines Fläschchen, dass Powell in einer UNO-Anhörung zeigte. Was genau drin ist, weiß keiner. Waffen waren es auf jeden Fall nicht. Nach dem Überfall auf den Irak fanden sich keinerlei Waffen. Nicht mal Indizien, die darauf hindeuten.

3. Atomwaffen

Wir haben Grund zu der Annahme, dass Saddam Hussein Atomwaffen baut

Cheney belegt diese Behauptung mit einem Kaufvertrag aus Niger. Dort soll Hussein Uran gekauft haben. Der Vertrag wurde bei einer Prüfung schnell als Fälschung entlarvt. Cheney hat also wiederholt gelogen.

Auch in der EU wird Kriegspropagana verbreitet

Der Dänische Premierminister Anders Fogh Rasmussen griff die Lügen der US-Administration auf. Dies qualifizierte ihn wohl zum NATO-Generalsekretär, dessen Amt er von 2009 – 2014 inne hatte. Vor dem Krieg sagte Rasmussen:

Der Irak besitzt Maffenvernichtungswaffen. Das ist nicht etwas, das wir glauben. Wir wissen es.

Wenn Manipulation nicht reicht, muss mehr Manipuliert werden

So könnte man die damalige Devise der USA beschreiben: Viele Länder betrachteten die angeblichen Beweise als fragwürdig. Darunter auch Deutschland, dass sich unter Gerhard Schröder nicht am Krieg beteiligen wollte. Es dauerte daher nicht lange, bis die US-Regierung neue Beweise ankündigte. Diese beruhten auf Aussagen des Irakers Rafid Alwen. Er wurde von Deutschen Geheimdiensten als Informant bezahlt und ist auch unter dem Decknamen Curveball bekannt.

Curveball behauptete, an einem irakischen Programm zur Entwicklung von Massenvernichtungswaffen beteiligt zu sein. Er arbeitete jahrelang als Informant für den BND. Anfangs schienen seine Geschichten glaubhaft. Doch mit zunehmender Zeit sinkte die Glaubwürdigkeit. Er verstrickte sich u.a. in Widersprüche. Der BND stufte ihn daher als unzuverlässige Quelle ein. Deutschland warnte die USA mehrfach, diese fragwürdigen Infos zu nutzen. Etwa in einem Brief vom Dezember 2002. Die USA interessierte dies wenig: Sie zeigten starkes Interesse an Curveball. US-Außenminister Colin Powell präsentierte dem UNO-Sicherheitsrat die angeblich neuen Beweise. Es handelte sich jedoch um ein Netz aus Lügen. Curveballs unglaubwürdige Informationen gab er als Fakten aus.

Kriegspropaganda führt in den Krieg

Die Welt war gespalten: Manche glaubten den USA blind und waren für den Krieg zu haben. Doch schon vor dem Krieg zweifelten viele. In einigen Ländern kam es zu friedlichen Demonstrationen in historischem Ausmaß: Alleine in Berlin gingen 500.000 Menschen auf die Straße, in New York 400.000. Weitere Länder und Städte schlossen sich an. Doch US-Präsident Bush interessierte sich auch nicht für die Proteste. Er stellte Hussein ein Ultimatium, innerhalb von 48 Stunden sein Land zu verlassen.

Anschließend wiederholte er abermals, es gäbe „keinen Zweifel daran, dass die Regierung von Irak einige der tödlichsten Waffen, die es gibt, besitzt oder verbirgt“. Ferner wies er auf die tausenden oder hunderttausenden Todesopfer hin, die das fordern könnte. Am 19.03.2003 griffen die USA den Irak in einem illegalen Krieg an. Die Erdölreserven im Land wurden mit 300.000 Soldaten besetzt.

Falscher Feind, falsches Land: 85% der Soldaten durch Propaganda manipuliert

Während des Krieges wurde überwiegend positiv darüber berichtet. Fernsehen und Zeitungen waren voller Kriegspropaganda der Neokonservativen. Kaum jemand traute sich, die Geschehnisse öffentlich zu hinterfragen. Doch nicht nur die Bevölkerung ließ sich durch diese mediale Berichterstattung manipulieren. 2006 gaben 85% der Soldaten im Irak bei einer Umfrage an, ihre Hauptmission sei Saddam Hussein für seine Rolle bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zu bestrafen.

Doch Hussein hatte mit 9/11 nicht das geringste zutun. Es gab nicht mal Hinweise auf eine Beteiligung. Dies bestätigte auch ein offizieller Bericht des US-Senats. Der 11. September 2001 wird Osama bin Laden zugeschrieben. Nicht zuletzt aufgrund eines später veröffentlichten Videos. Trotzdem ist eine große Mehrheit der Meinung, es wäre Hussein. Die Soldaten haben folglich keine Ahnung, was genau passiert ist, was sie tun und warum. Stattdessen haben sie der Kriegspropaganda von Vizepräsident Cheney scheinbar blind geglaubt. Er hatte Hussein ohne Beweise mit 9/11 in Verbindung gebracht. Für die US-Soldaten bedeutet das: Sie jagen den falschen Mann (Hussein statt Bin Laden) oder sie sind gar im falschen Land (Irak statt Afghanistan). Beides folgenschwere Irrtümer.

Die Folgen von Kriegspropaganda

Der US-Präsident und mehrere Politiker haben massiv gelogen, um die Öffentlichkeit zu täuschen. Das hatte massive Konsequenzen zur Folge: Je nach Schätzung hat der Krieg 800 bis 3.000 Millionen Euro gekostet. Für die Rüstungsindustrie ein riesiges Geschäft. Doch das Geld fehlt an anderer Stelle – etwa für Bildung, Energiewende oder Ausbildung. Doch abseits der Finanzen hatte der Krieg für die Bevölkerung im Irak massive Folgen: Kinder wurden brutal ermordet, Frauen vergewaltigt, Familienmitglieder schwer verletzt oder getötet. Iraker wurden durch US-Soldaten gefoltert oder mutwillig ermordet. Dies belegen u.a. geleakte Videos auf WikiLeaks. Untersuchungen gehen von etwa 1.000.000 Todesopfern aus.

Nach dem Krieg versank das Land im völligen Chaos. Viele Überlebende sind Obdachlos geworden, ohne jegliche Perspektive. Einige wollten Rache für ihre im Krieg getöteten Kinder, Eltern, Freunde und andere Angehörige. Es kam zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen: Terror, Gewalt und Kriminalität waren an der Tagesordnung. Sowohl Iraker als auch westliche Besatzungstruppen trugen dazu bei. Das Land verwandelte sich in eine Brutstätte für Terrorismus. Viele ehemalige Militärangehörige von Hussein traten dem Islamischen Staat bei. Der IS ist heute zu einer der größten terroristischen Organisationen geworden. Der Irakkrieg gilt mindestens als Mitverursacher für die Machtexpansion des IS.

Bis heute wurde keiner der verantwortlichen je angeklagt – weder der damalige Präsident Bush, noch Premierminister Blair, Vizepräsident Cheney oder andere maßgeblich Beteiligte. Stattdessen werden Whistleblower wie Julian Assange verfolgt, die Beweise der Kriegsverbrechen öffentlich zugänglich machen.

Das Fazit lässt sich daher am besten mit den Worten des Grieche Anacharsis formulieren. Er sagte schon um 550 vor Christus:

Das Gesetz ist wie ein Spinnennetz. Kleine Fliegen werden gefangen, während doe großen das Netz zerreißen und entkommen.

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